#WeRemember

Am 27.01. wird jährlich der ermordeten Menschen gedacht, die im Zuge des Holocaust und speziell der Shoah hingerichtet wurden.

Wir erleben in den letzten Jahren ein Erstarken der Neuen Rechten, in den Parlamenten wie auf der Straße, und damit auch ein Sichtbarwerden rassistischer, antiaufklärerischer und antisemitischer Ideologie. Das Ziel von AfD und PEGIDA ist eine konservative Revolution, welche die prekären und ohnehin nur halb verwirklichten Errungenschaften einer aufgeklärten Gesellschaft, wie universelle Menschenrechte und individuelle Selbstverwirklichung eines jeden Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Hautfarbe oder Religion  zunichtemacht. AfD und PEGIDA verstehen sich als die Speerspitze einer gegen die Neue Linke, den Liberalismus und die Individualisierung von Gesellschaft gerichteten reaktionären konservativen Bewegung.
Die Rede vom „verratenden Volk“, von der „Meinungsdiktatur“, vom Untergang des „christlichen Abendlandes“ und von der „Lügenpresse“ ist klassischer Bestandteil des modernen Antisemitismus, der sich als reaktionäre Antwort auf die innergesellschaftlichen Emanzipationsbestrebungen herausgebildet und an Juden die komplexen und undurchsichtigen Vorgänge und Verwerfungen moderner Vergesellschaftung festgemachte hatte. Wesentliches antisemitisches Element ist die Vorstellung der Verschwörung, welche keiner Fakten und keiner Logik bedarf. Diese finden bei Anhängern von PEGIDA und AfD weite Verbreitung – so etwa die Vorstellung, dass die Flüchtlingskrise von den USA und Israel initiiert worden sei, Angela Merkel nur den Befehlen aus Washington und Tel Aviv gehorche, die parlamentarische Demokratie von fremden Mächten und „Volksverrätern“ gesteuert und Deutschland ohnehin kein souveräner Staat sei.

Die größte Gefahr für Jüdinnen und Juden geht heute jedoch nicht etwa von den sogenannten (rechten) Populisten, sondern in erster Linie von gewalttätigen islamischen Terrorgruppen, wie der Hamas im Gazastreifen oder der Hisbollah im Libanon, sowie von dem klerikal-faschistischen Regime im Iran aus, welches regelmäßig mit der atomaren Vernichtung Israels – dem „Staat der Juden“ – droht.
In der Bundesrepublik Deutschland – dem Rechtsnachfolger des Dritten Reiches – hat man währenddessen kein Problem damit, sich mit Vertreten des antisemitischen iranischen Regimes zu treffen und Geschäfte zu machen, wie es jüngst vor allem Sigmar Gabriel tut. Das Drängen des iranischen Regimes, Israel und seine Bevölkerung zu vernichten, muss unbedingt wahr- und ernstgenommen werden.

Das deutsche Holocaustgedenken und das „Aufarbeiten der Geschichte“ haben nicht zum Ziel, die Bedingungen zu reflektieren und herauszustellen, die Auschwitz ermöglichten, sondern die Shoah als „Betriebsunfall“ darzubieten, aus dem man gelernt hätte.
Die Aufgabe einer antifaschistischen Gedenkpolitik muss es sein, die Shoah als unabgegolten und unabgeltbar zu begreifen und die Bedingungen zu beleuchten und zu kritisieren, die jene ermöglichten und die bis heute fortbestehen.

Gegen die regressive Revolte!
Gegen jeden Antisemitismus!

„Die Forderung, daß Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.“ (Theodor W. Adorno)

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Rechtsextreme „Graue Wölfe“ heulen wieder

Für den kommenden Samstag, den 21.01.2017, bewerben erneut türkische Nationalisten, sogenannte „Graue Wölfe“, eine Veranstaltung in Augsburg. Unter dem Motto „Nacht der Tränen“ wollen sie sich diesmal im Reese Theater versammeln. Um sich dort einzumieten gaben sie an, ein Jugendtheaterstück aufführen zu wollen. Tatsächlich geht es aber um Heldenverehrung für Märtyrer und um die Verbreitung ihrer faschistischen Ideologie.

Als „Graue Wölfe“ werden die Mitglieder und Unterstützer der rechtsextremen türkischen „Partei der nationalistischen Bewegung“ (MHP) bezeichnet. Sie selbst nennen sich „Idealisten“. Die türkischen Rechtsextremisten machten in den 1970ern und 80ernvor allem durch Hunderte politische Morde, Pogrome und Anschläge wie das Papst-Attentat 1981 von sich reden. Nach einer Zeit des Verbotes in der Türkei war die Partei ab 1998 allerdings sogar an einer Regierung beteiligt und wurde bei der türkischen Parlamentswahl im November 2015 trotz Verlusten mit 11,9% der Stimmen drittstärkste Kraft.

Sie streben nach einer Art „Großtürkischem Reich“, das sich vom Balkan über Zentralasien bis nach China erstrecken und „alle Turkvölker vereinen“ soll. Die Liste ihrer erklärten Feinde ist lang: Kurden, Armenier, Juden, Kommunisten und die USA sind lediglich ein kleiner Ausschnitt.
Die „Grauen Wölfe“ sind immer wieder an Übergriffen auf u.a. KurdInnen und AlevitInnen beteiligt. Nicht nur in der Türkei, sondern auch in Deutschland, Österreich und anderen europäischen Ländern. Die türkischen Nationalisten sind also auch hier eine ernstzunehmende Gefahr.

In Deutschland wird die Partei durch drei Dachorganisation vertreten, denen bundesweit rund 303 Vereine mit mehr als 18.500 Mitgliedern angehören. Die älteste in Deutschland aktive Organisation ist die Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland bzw. Türkische Föderation. Weiterhin werden Mitglieder des Verbandes der türkischen Kulturvereine in Europa  und der Union der türkisch-islamischen Kulturvereine in Europa (ATIB) der Bewegung zugerechnet. Auch unorganisierte Nationalisten begreifen sich teilweise als „Idealisten“. Die Jugendorganisation der Grauen Wölfe ist die Idealisten-Jugend.
Bis heute können sie in der Bundesrepublik weitgehend ungestört agieren. Mit Rückendeckung der türkischen Konsulate können sie Hetze und Drohungen gegen vermeintliche Feinde des Türkentums verbreiten und Oppositionelle einschüchtern.

Ihre Veranstaltung in Augsburg wird organisiert von Fatih Pürlü, der in der Vergangenheit bereits Demonstrationen der „Grauen Wölfe“ u.a. gegen die PKK (Arbeiterpartei Kurdistans) und gegen Israel auf dem Rathausplatz angemeldet hat.

Es gilt, über die Gefahr aufzuklären, die von den türkischen Faschisten ausgeht.
Rechtsextremismus und faschistische, antisemitische Ideologie müssen auch abseits von NPD, AfD und Co. ernst genommen, kritisiert und bekämpft werden.

AfD Veranstaltung am 12.01.2017: „Machteliten und Gendermainstreaming“

Die Highlights der gestrigen AfD Veranstaltung am 12.01.2017:
„Machteliten und Gendermainstreaming“ von Dr. Anne Cyron im Zeughaus in Augsburg

1. Aussagen von Anne Cyron:

„Schwarzafrikaner kommen nachts über die Grenze, dass es keiner merkt, weil man die ja nicht sieht. Nur die Syrer kommen tagsüber, die werden immer vorgeschoben.“

„Judith Butler ist die Chefideologin der GenderMainstreaming-Bewegung. Wenn die Männer im Saal ihr Bild mal googeln, dann versteht man warum sie Männer hasst.“
Gemeint ist damit, dass Judith Butler, die mehrmals als Männerhasserin bezeichnet wurde, hässlich sei. Außerdem wurde später während der Fragerunde angedeutet, dass die UNO die Gendermainstreamingbewegung finanziert.

„Es lebe der Einehitsmensch, aus Islamisierung folgt der Einheitsmensch. GenderMainstreaming macht den Einheitsmensch.“ sagt Frau Cyron in der Annahme für die Gendermainstreamingverschwörer zu sprechen.

„Wilhelm Reich war NS-Gender Ideologe.“ Tatsächlich ist Herr Reich Kommunist gewesen. Nachdem er Stalin kritisiert hatte und damit in der KPÖ in Kritik geraten ist, ist er in die USA ausgewandert. Ein Bezug zum Nationalsozialismus findet sich nicht.

Auf einer Seite GEGEN die sog. Genderideologie findet sich folgender Ausschnitt um Herrn Reich als einer der Begründer der Genderideologie zu identifizieren. http://www.wgvdl.com/forum3/index.php?id=33269
Er spricht darin davon, dass die Befreiung der Kinder von der Verführung der Erwachsenen, ein erstrebenswertes Ziel ist. Also genau das Gegenteil von dem was Frau Cyron erzählt hat. Nämlich, dass er in der Tradition der Pädophilie stehe.

„… Weshalb es sinnlos ist den Zorn auf die Zuwanderer zu richten.“
Aus dem Kontext wird klar: Die Flüchtlinge sind alles Wirtschaftsflüchtlinge, also selbst Syrer, Somalier und Afghanen. Ihre Migration ist von einer geheimen Macht aus dem Hintergrund gesteiert. Auf Nachfrage aus dem Publikum konnte Frau Cyron keine Namen nennen. Es habe aber was mit der Atlantikbrücke, den Clintons und George Soros zu tun.

Ein Satire Antrag der Linksfraktion Flensburg, der das Gendern von männlichen Arbeitsgeräten fordert, wird von Frau Cyron ernst genommen. Darin wird gefordert, Scanner fortan ScannerIn oder ComputerIn zu nennen. Die Antragstellerin der Linksfraktion hat auf Nachfrage der Presse angegeben, selbst gegen ihren Antrag stimmen zu wollen, der in lustiger Übertreibung auf einen Antrag einer anderen Fraktion reagiert hat, der forderte fort an Ratsdamen statt Ratsfrauen zu sagen.

Im Gendern der männlichen Arbeitsgeräte sieht Frau Cyron die kranke unnatürliche Entwicklung des GenderMainstreamings und die Verblendung der Linkspartei.

2. Aussagen von Fr. Cyron und dem Publikum

Am Anfang des Vortrags:
„Wegen der Homolobby gibt es schon in der Grundschule Sexualkundeunterricht.“
Am Ende des Vortrages:
„ … dann sollen die schon im Kindergarten onanieren.“
Während der Fragerunde aus dem Publikum:
„Das ist ja widerlich, dass jetzt schon 3 jährige Sexualkundeunterricht bekommen.“

Sinngemäß wurde in mehreren Sätzen die durch Zuschauerbekundungen unterbrochen worden gesagt:
Ostdeutschland hat Westdeutschland übernommen. Als Beweis gilt, dass „die oberen beiden Spitzen in Deutschland aus dem Osten kommen.“ Gemeint sind damit Merkel und Gauck.
Danach kam aus dem Publikum „naja eigentlkch Mitteldeutschland, nicht Ostdeutschland.“. Gemeint ist, dass Deutschland eigentlich im Osten größer sei und bis nach Königsberg reiche (heute Kaliningrad), so wie es vor dem ersten Weltkrieg war. Damit ist das heutige Ostdeutschland in der Mitte, also Mitteldeutschland.

3. Zitate aus dem Publikum

„Alle Befehlsempfänger der Illuminaten, z.B. Obama.“ Darauf folgte ein Kopfnicken des Sitznachbarn.

Anne Cyron ist nicht verbeamtete Lehrerin für Sozialkunde und Geschichte und lebt in Rosenheim. Sie ist Schatzmeisterin der AfD Rosenheim und im Bezirksvorstand der AfD Oberbayern

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