Kein Gebetsraum an der Universität Augsburg!

Die „Grüne Hochschulgruppe“ Augsburg möchte einen „Raum der Stille“ an der Uni Augsburg etablieren: zur Entspannung, aber auch zum Beten. Ein entsprechender Antrag wurde auf der Sitzung des Studentischen Konvents am 16.01.2019 gestellt. Der Antrag wurde in leicht abgeänderter Form bei einigen Nein-Stimmen und Enthaltungen angenommen.

Die Universität ist ein Ort, der Wissen schafft und Bildung vermittelt, ein Ort des fachlichen Disputs und kritischen Denkens. Religion ist Gegenstand der Forschung an der Universität, die Uni ist allerdings kein Ort religiöser Hingabe. Sie ist weltanschaulich offen, vor allem aber auch säkular. Religion ist Privatsache – Wer beten möchte geht in eine Moschee, eine Kirche oder ein anderes Gotteshaus.

„Auch Muslime müssen nicht auf Ausnahmeregelungen drängen, weil sie als Einzige fünfmal am Tag zu bestimmten Zeiten zum Gebet aufgefordert sind. Wer die Gebetszeiten strikt einhalten will und keine Moschee in der Nähe hat, kann zu Hause, bei Kommilitonen, Freunden oder Angehörigen beten. In Gemeinschaft zu beten, ist theologisch sowieso nur empfohlen, nicht verpflichtend. Lediglich das Freitagsgebet ist Pflicht, aber auch nur für Männer, und es sollte sowieso in der zentralen Moschee verrichtet werden. Zudem kennen selbst strengste Gläubige die Möglichkeit, Gebete nachzuholen, wenn man sie versäumt hat.“, so Lamya Kaddor, muslimische Religionspädagogin, Islamwissenschaftlerin und Publizistin.

Mit der Eröffnung eines Gebetsraumes gehen zahlreiche Probleme einher. So gab es in der Vergangenheit an zahlreichen Universitäten Auseinandersetzungen wegen beabsichtigter Geschlechtertrennung durch Vertreter*innen muslimischen Glaubens.
In der vorgesehenen Raumordnung heißt es zwar, dass „Nutzer*innen sowie Nutzergruppen ungeachtet ihrer religiösen oder weltanschaulichen Überzeugung die Grundsätze der Gleichberechtigung der Geschlechter und der vollständigen und gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern sowie den Respekt gegenüber allen geschlechtlichen Identitäten zu achten [haben]“, aber auch dass „eine mobile Trennwand von der Universität zur Verfügung gestellt [wird]“.
Diesen Widerspruch scheinen die Initiator*innen des Gebetsraumes nicht zu erkennen oder bewusst zu ignorieren.  Die Raumordnung wurde im Konvent nicht als Teil des Antrags abgestimmt.
Zudem könnte der Raum von Fundamentalisten gekapert und für menschenfeindliche Praxen nutzbar gemacht werden. Das wird auch eine – in Konsequenz schwer durchzusetzende – Raumordnung nicht ausschließen können. Irritierend sind in diesem Zusammenhang auch die Aussagen einzelner Antragsteller, der Raum sei für alle religiösen Menschen offen, auch zweifelhafte Religionsgemeinschaften wie die „Zeugen Jehovas“ würden einen Platz finden.

Im Antrag heißt es, der AStA (Allgemeiner Studierendenausschuss) solle ein „Raum der Stille-Referat“ einrichten. Das Referat solle „ab dem Haushaltsjahr 2020 einen eigenständigen Haushalt zur Anschaffung raumspezifischer Utensilien und zur Verwirklichung eines Kursangebotes“ erhalten. Das heißt, dass weitere Gelder für private Weltanschauungen Einzelner ausgegeben werden sollen. Der aktuelle Konvent ist allerdings ohnehin nicht berechtigt, Gelder für einen zukünftigen Haushalt festzulegen. Diese Passage wurde folgerichtig gestrichen.

Das Ziel sollte nicht sein, wie im Antrag zu lesen ist, andere Religionen, „deren Religionsgemeinschaften nicht universitätsnah angesiedelt sind wie es etwa bei der KHG und ESG der Fall ist“ auf eine Stufe zu heben, sondern den Campus als säkularen Raum der Wissenschaft und Bildung zu erhalten. Die Universität sollte, auch über einen solchen Raum hinaus, keine Räumlichkeiten zu religiösen Zwecken zur Verfügung stellen.

Weitere Freiräume, neben dem Zwischenraum gegenüber der Alten Cafete, werden dringend benötigt. Die allgemeine Raumknappheit und der Unwille der Universitätsleitung, selbstverwaltete Räumlichkeiten für Studierende zu schaffen, erschweren eine Verbesserung dieses Zustands. Ein „Raum der Stille“ kann also sinnvoll sein, wenn er der Erholung vom durch Leistungsdruck geprägten Studium dient und in dem religiöse Rituale untersagt sind.

Für die Trennung von Universität und Religion!

„Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, dass der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“
(Karl Marx
: Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung / 1843-44)

Sozialistisch-Demokratischer Studierendenverband Augsburg

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